Galerie Raum mit Licht

 

ALIKI BRAINE & JOSEF ZEKOFF

DIE BLINDE FLÄCHE

Vernissage: 12.01.2019 12PM
Ausstellungsdauer: 15.01. – 01.03.2019

Image © Aliki Braine
Aliki Braine, »Where Two Seas Meet (Skagen no.1)«, 2008
Die Blinde Fläche

Mit der Dialog-Ausstellung Aliki Braine & Josef Zekoff wagt die Galerie „Raum mit Licht“ einen risikoreichen Brückenschlag: Noch niemals sind sich Braine (London) und Zekoff (Wien) begegnet. Weder leben sie in demselben Land, noch können Sie an eine gemeinsame Ausbildung anknüpfen, oder arbeiten in ähnlichen Medien. Ein Diskurs, der die Werke beider verbindet, ist erst herauszufinden.

Aliki Braine´s Medium ist die analoge Photographie. Genauer gesagt: Es sind die lichtempfindlichen Negative aus Silbersalzen, Zellulose und Polyester. Heute liegt über ihnen der nostalgische Charme einer vergangenen Epoche. Brüsk geht Braine damit um, wenn sie die transparenten Hüllen durchbohrt, beschneidet, faltet. Traktiert durch die präzise gesetzten Eingriffe, gewinnen die einst Unsichtbaren jetzt eine unübersehbare Präsenz, die Präsenz eines „corpus delicti.“  Ex negativo führt uns die Künstlerin so das Korrumpierbare der heute üblichen digitalen Photographie vor Augen: Denn diese hat den materiellen Körper längst abgestreift und durch die unempfindlichen Algorithmen ersetzt.
In der Wahl der photographierten Motive, wie der Art ihres Vorgehens, lässt sich Braine von den Alten Meistern leiten und setzt an neuralgischen Angelpunkten der Komposition an, etwa im goldenen Schnitt. Diese so bearbeiteten Negative werden dann zum Sujet ihrer eigentlichen Arbeit, aufwändig hergestellten Drucken, in denen die zugefügten Auslöschungen als Auslöschungen, als sichtbare blinde Flächen präsent bleiben. Sie öffnen sich den Chimären persönlicher Imagination oder aber befragen bisweilen den Betrachter kritisch nach seiner eigenen Perspektive. Ein (unerkanntes) „Fake“ jedoch gibt es nicht.

Josef Zekoff steht möglicherweise nichts mehr entgegen als das, was lange Zeit die erste Aufgabe der Photographie war: Zeitzeugenschaft und Dokumentation. Er hat sich vielmehr der „longue durée“ verschrieben. Seine Werke kennzeichnet eine ruhige analytische Sicht, die das Gegenwärtige aller Aufgeregtheit entkleidet und an dem Dauernden misst. Ursprüngliche Bildformeln menschlicher Kultur sind sein Thema. Dazu greift er auf herkömmliche Techniken des Malens und Zeichnens zurück oder arbeitet im Medium des sorgsam handabgezogenen Holzdruckes. Inhaltlich wie formal überraschen seine Arbeiten mit einem kühnen Reduktionsbestreben und wirken in ihrer eindrücklichen Konzentration und Entschiedenheit. Man möchte sie als archaisch, mythisch, bisweilen lakonisch beschreiben. Was bleibt ist notwendig. Die Fläche des Papiers rückt den dargestellten Gegenstand zurecht, spannt ihn ein, stützt ihn ab. Hier ist sie wieder, die blosse Fläche, die blinde Fläche, die den Proustschen Augenblick generiert und den Betrachter zum Eintauchen in private Poesien und Reflexionen über den eigenen Standort einlädt.
Sichtbarmachen ohne Auszusprechen, könnte ein Anliegen sein, das Josef Zekoff und Aliki Braine teilen, die Störung des Erwarteten ein anderes, die Suche nach Widerständigkeit in einer Welt ständiger visueller Verführung ein drittes.

Text: Heidrun Rosenberg