Galerie Raum mit Licht

 

BERNHARD HOSA & OLENA NEWKRYTA

»When Our Eyes Touch, Is It Day Or Is It Night?«

Vernissage: Mittwoch, 21.03.2018, 18:30 – 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 22.03. – 04.05.2018


Image © Olena Newkryta, 2018
Mit Olena Newkryta und Bernhard Hosa zeigt die Galerie Raum mit Licht eine Gegenüberstellung zweier künstlerischer Positionen, die auf jeweils unterschiedliche Weise in einer konzeptuellen Arbeitsweise verankert sind, sie assimilieren und entschieden erweitern. Denn ihr Interesse gilt dem nicht Intelligiblen, dem Flüchtigen und Verborgenen, dessen Spuren nicht in rationalen Dimensionen der Idee, sondern im Materiellen und im Sinnlichen zu finden sind.

Olena Newkryta arbeitet konzeptuell-performativ, immer in Rückbezug gesellschaftlicher und auch latent politischer Fragestellungen auf das Medium. Sie interessiert sich für aktuelle Lebenswelten, für die Möglichkeiten des Austauschs, der Berührung, des Abwesend-Seins und deren stoffliche Spuren. Durch Oberflächen, die sich bei jedem Kontakt und bei jedem Ansehen verändern, sammelt Newkryta flüchtige Erinnerungen an die Interaktion mit den Betrachtern ihrer Arbeiten. Sie tastet mit einem Handscanner die Oberfläche eines verhüllten Menschen ab oder portraitiert Personen mittels auf der Haut getragener Fotonegative. In dem die Berührung selbst das Rohmaterial liefert, sie immanent thematisiert wird, reflektiert Newkrytas Arbeitsweise eine Politik des Mediums und des Körpers. Und wenn sie in ihrem neuesten Zyklus anonyme Fotografen dabei abbildet, wie sie zusammen mit ihrer Kamera hinter einem schwarzen Tuch verschwinden, um auf der Mattscheibe hinter dem lichtstarken Objektiv der Großbildkamera überhaupt ihr Bild sehen zu können, wird eine paradoxe Eigenschaft der Fotografie deutlich, die sozusagen den Autor verschluckt, in dem Moment in dem er sein Sujet wählt.

Die wesentliche Eigenschaft des fotografischen und des filmischen Mediums, flüchtige Momente in ein Bild zu bannen, setzt auch Bernhard Hosa ein. Auf einem Bildschirm erscheinen einmal da, einmal dort aus dem Nichts vage Formen, die, wie von einer unsichtbaren Kraft, sich flecken- und schlieren-förmig ausbreiten. Sie werden langsam zu gleichmäßigen Kreisformen, um dann im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden. Wenn man dabei an eine Art ephemerer Materialisation konstruktivistischer Formen und an paranormale Phänomene erinnert ist, fragt man sich nach dem Ursprung und dem Urheber dieser Bilder und Ausbreitungsmuster. Seine dreidimensionalen Materialcollagen aus Erinnerungen an Körperteile, Ausschnitten aus fotografischen Dokumentationen übersinnlicher Phänomene, gekratzten und gemalten Spuren und glatten quadratischen Formen wirken konstruiert, verbleiben aber im Okkulten. Hosas Herangehensweise wurzelt in einem postkonzeptuellen Kunstverständnis, das er hinter sich lässt und umdeutet. Die Erinnerung an eine programmatische Nachvollziehbarkeit und eine konstruktive Ästhetik verbindet sich in seinen Arbeiten mit übersinnlich-metaphysischen Elementen zu einer in sich differenten Einheit.

Newkrytas und Hosas Arbeiten sind unterschiedliche Annäherungen an das Verborgene. Es sind zweierlei Blicke auf die naturgemäß im materiell-physischen verhaftete Charakteristik der bildenden Kunst und die Möglichkeiten der Berührung von Idee und Material. Deshalb zitiert der Titel der Ausstellung Jacques Derridas Frage, die den Anfang seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff der Berührung und dem Problem des Verhältnisses der Psyche zum Körper macht: When our eyes touch, is it day or is it night?

Text Anna Spohn


BERNHARD HOSA (*1979 in Amstetten, AT) studierte Malerei an der Universität für angewandte Kunst und lebt seither in Wien. Seine Objekte, Collagen und Rauminstallationen sind klar und schlicht in Form und Material. Ein Motiv, das dabei immer präsent ist, ist der menschliche Körper. Selten zeigen oder repräsentieren seine Arbeiten die äußere Hülle des Leibes. Sie sind eher Analogien zu den empirisch-medizinischen Normen- und Wissensstrukturen in die sich der Mensch einfügt und die den abwesenden Körper als Negativform vor uns entstehen lassen. Hosas Arbeiten sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten und er wurde 2007 mit dem Anerkennungspreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

OLENA NEWKRYTA (*1990 in Wosnesensk, UA) studierte von 2011 bis 2017 an der Universität für angewandte Kunst Wien Fotografie bei Gabriele Rothemann und absolvierte 2015 ein Auslandssemester an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam.
Teilnahme an mehreren nationalen und internationalen Ausstellungen. 2017 gewann sie den Preis der Kunsthalle Wien.
Olena Newkrytas medienübergreifende Arbeiten entstehen konzeptuell-performativ, immer in Rückbezug gesellschaftlicher und auch latent politischer Fragestellungen auf das Medium.