Galerie Raum mit Licht

 

curated by_vienna 2015 | curated by Ruth Noack

KünstlerInnen: Gerd Arntz, Wu Dandan, Ines Doujak, Tina Gverovic, George Osodi, Koen Theys, Willem Oorebeek

Vernissage: Donnerstag 10. September 2015 18:00–21:00
Ausstellungsdauer: 11. September – 17. Oktober 2015


NOTES ON CRISIS, CURRENCY AND CONSUMPTION


Es ist möglich, mit feministischer Kunst eine nichtfeministische Ausstellung zu machen. Und umgekehrt kann man eine feministische Ausstellung aus nichtfeministischer Kunst bauen. Nicht jeder Text, der sich eines politischen Vokabulars bedient, vermittelt an seine Leser_innen auch schon Politik. So genügt es z.B. nicht zu behaupten, dass „künstlerische Einbildungskraft und poetische Praxen uns helfen können, den Eintritt in eine postkapitalistische Gesellschaft zu beschleunigen“ (Armen Avanessian), man muss auch zeigen wie das geht. Nina Powers nennt den Accellerationismus, Alberto Toscano zitierend, "etwas, das sich nicht unbedingt zu dem zusammenfügt, was man Theorie nennen würde."
Doch lassen wir die Theorie vorerst beiseite und denken an Politik. Viele werden zustimmen, dass Kunstwerke zur Analyse des gesellschaftlichen Istzustands beitragen können. Vielleicht ist Kunst sogar ein adäquates Ausdruckmittel für das Begehren nach einer anderen Art, die Welt miteinander zu teilen. Vielleicht ist sie ein Werkzeug, das „Konflikte, Widersprüche, Konkurrenz, Privilegien und gegensätzliche politische Meinungen und Interessen“ nicht verleugnet (Antke Engel)? Aber ist Kunst damit schon politisch? Zur Politik gehört das handfeste Eingreifen in Machtverhältnisse und Regierungsformen und dafür braucht es Menschen, die bereit - und fähig – sind, das gemeinsam zu tun. Diese Ausstellung schreibt sich die Politik nicht auf die Fahnen. Und ihre Werke unterwerfen sich keinem idealistischen Akzelerationsparadigma. Dort, wo sich die Künstlerinnen und Künstler mit Produktionsverhältnissen, Geld- und Warenflüssen beschäftigen, geht es um konkrete Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Entfremdung. Doch auch um Modalitäten: Sind Krise, Geldumlauf und Konsum jenseits des Kapitalismus zu denken? Was ist ihr Material und wie lässt es sich transformieren?

Tina Gverović hat für diese Ausstellung eine neue Arbeit geschaffen, die auf Arbeiten von Gerd Arntz, Ai Weiwei (in absentia), Lili Dujourie (in absentia), George Osodi, Koen Theys, Wu Dandan, Willem Oorebeek und Ines Doujak reagiert.

RUTH NOACK

*1964 in Heidelberg, lebt und arbeitet in Berlin

Ruth Noack hat eine Ausbildung zur bildenden Künstlerin und Kunsthistorikerin absolviert und arbeitet seit den 1990ern als Autorin, Kunstkritikerin, Universitätslektorin und Ausstellungsmacherin.

Noack war Kuratorin der documenta 12 (Kassel, 2007). Zu ihren Ausstellungen zählen u.a. Scenes of a Theory (The Depot, Wien, 1995), Things We Don’t Understand (Generali Foundation, Wien, 2000), Organisational Forms (Kunstraum Universität Lüneburg; Škuc, Ljubljana; Hochschule für Graphik, Leipzig; 2002−3) und The Government (Witte de With, Rotterdam; MAC, Miami; Secession, Wien; 2005).

2012 entwickelte sie das Ausstellungslayout für Garden of Learning (Busan Biennale) und kuratierte die erste Einzelausstellung von Ines Doujak in England, Not Dressed for Conquering – Ines Doujak’s Loomshuttles/Warpaths (RCA, London). In diesem Jahr hat sie einen Teil von Voice - Creature of Transition (Rietveld Academy, Amsterdam) kuratiert. Aktuell arbeitet sie an Sleeping with a Vengeance − Dreaming of a Life und Fragments and Compounds (Ethnologisches Museum, Berlin; Johann Jacobs Museum, Zürich).

Von 2012-13 war Noack Leiterin des Curating Contemporary Art Programms am Royal College of Art, London sowie Forschungsleiterin des EU-Projekts MeLa - European Museums in an age of migrations. Im Winter 2013-14 war sie Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste Prag and leitete den International Curator Course der Gwangju Biennale 2014.

Ihre letzten veröffentlichten Publikationen sind Sanja Ivekovic,: Triangle bei Afterall Books und Agency, Ambivalence, Analysis. Approaching the Museum with Migration in Mind für das Politecnico di Milano (beide 2013).