Galerie Raum mit Licht

 

curated by_vienna 2017 | curated by Sabine Folie

»TYPE, PLEASE«

Vernissage: 14. September 2017, 18 – 21 Uhr in allen teilnehmenden Gallerien
Ausstellungsdauer: 15. September – 21. Oktober 2017

Die Ausstellung findet im Rahmen von curated by_vienna: „image/reads/text. Sprache in der zeitgenössischen Kunst“ statt. 2017 sind 21 Wiener Galerien am Projekt beteiligt. In Zusammenarbeit mit internationalen Kuratorinnen und Kuratoren konzipieren sie Ausstellungen, die unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnen. curated by_vienna wird von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure gefördert und organisiert, um die Bedeutung Wiens als Galerienstandort zu unterstreichen.
curatedby.at
Irma Blank (*1934)
Melanie Ender (*1984)
Isabella Kohlhuber (*1982)
Doris Piwonka (*1968)
Salome Schmuki (*1979)
Dominik Steiger (1940-2014)
Andrea van der Straeten (*1953)

Der Titel Type, please (2017) ist eine Arbeit von Salome Schmuki entlehnt: Buchstaben schreiben, tippen, sprechen. Sich vertippen, anhalten, zurück, bis zum Wortstamm, neu anfangen, sich annähern, dann überraschend: ein neues Wort, eine neue Bedeutung. Ein bekanntes Wort? Eine verschüttete, hermetische Etymologie oder ein Neologismus. Wortspiele.

Buchstaben erfinden und daraus Wörter generieren. Neue Zeichen, Buchstaben, Alphabete bilden neue Semantiken. Verschlüsselt, codiert, erst zu knacken. Wellenlinien, die wie Geschriebenes aussehen, aber sich jeder Lesbarkeit entziehen. Wörter aussprechen, Phoneme sekundieren Notationen von visualisiertem Text. Dem Gesprochenen in einer abenteuerlichen Dramaturgie der Buchstaben, Bewegungen folgen. Sprechakte – das performative Zusammenwirken von Geschriebenem, der Stimme und dem Körper – kartieren. Linien, Schleifen im Raum ziehen und skulptural formieren oder den Akt des Schreibens in die Geste des Zeichnens und Malens überführen. Modulationen des Sprechgesangs in die Syntax einer Bildform bringen. Stimmlos ohne Gehör sprechen, die Bedeutung der Zeichen den Gebärden und Gesten überlassen...

Diese Versuchsanordnungen gehen in der Präsentation von Type, please der Verbindung der prothetischen, vielleicht schon überholten, nostalgischen Liaison der Hand mit dem Schreibgerät oder der Tastatur nach und der Generierung von Linien, Buchstaben und Alphabeten, die abstrakt, bildhaft und assoziationsreich einen poetischen Überschuss erzeugen. Die Ausstellung folgt den verzweigten Windungen und Pfaden, den Abweichungen und Irrungen von Übertragungs- und Übersetzungsprozessen, die von (noch) nicht gängigen Zeichen ausgehen.

Irma Blank (*1934) beschäftigt sich seit den 1960-Jahren mit dem Schreiben als Vorgang und Tätigkeit, befreit von der Bedeutungsproduktion von Schriftzeichen durch den Einsatz von Variationen von Linien und Farben. Melanie Enders (*1984) Zugang zur Sprache verläuft über den Miteinbezug von Skulpturalem und Performativem. Sie untersucht Verbindungen zwischen Sprache, Text, Körper und Raum. Abstrakte Elemente der Sprechakte werden in Performances und Skulpturen konkret. Isabella Kohlhubers (*1982) Installationen, Bilder, Skulpturen und Animationen sind Erkundungen visueller und auditiver Formen von Sprache und Kommunikation. Fremdartige Typographien, Alphabete und Diagramme geben beredtes Zeugnis von der Materialität und Performanz der Sprache, ihrer synkretistische Multivalenz in Akten der Verschiebung und Montage.  Doris Piwonkas (*1968) Bildfindungen, die sich ausschließlich im Medium der Malerei und dem Austesten ihrer Möglichkeiten bewegen, liegen mitunter skripturale und grafische Notationen zugrunde, die von anderen kompositorischen Elementen und Verfahren bewusst eklektisch überlagert werden. Salome Schmuki (*1979) untersucht die Struktur und Organisation von Sprache, ihre Kodierung sowie das Zusammenspiel der daran beteiligten Mechanismen der Wahrnehmung. Basierend auf den verschiedenen Aspekten des Lesevorgangs gestaltet sie typografische Designs. Der Dichter Dominik Steiger (1940-2014) entschied sich in den frühen 1970er-Jahren bildender Künstler zu werden. Seine Arbeiten bleiben auch in seiner künstlerischen Produktion dem schriftlichen Zeichen und dem Wortspiel verpflichtet. In vielen ihrer Werke kombiniert Andrea van der Straeten (*1953) ihr Interesse an Sprache und Literatur mit dem technischen Experiment und einem visuellen Vokabular. Sie thematisiert unter anderem die Übersetzungsschwierigkeiten von sprachlichen in gestische Ausdrucksformen.

Sabine Folie ist Kunsthistorikerin, freie Kuratorin, Autorin. Von 1998-2008 war sie Chefkuratorin der Kunsthalle Wien, von 2008-2014 Direktorin der Generali Foundation, Wien. Zahlreiche Ausstellungen, darunter Marcel Broodthaers. Politque Poetique (2003) und Un Coup de Dés. Bild gewordene Schrift. ABC einer nachdenklichen Sprache (2008).