Galerie Raum mit Licht

 

DRYDEN GOODWIN

»COAX«

Eröffnung: Mittwoch 25. Mai 2011, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. Mai - 09. Juli 2011

Die Ausstellung Coax (dt. überreden, bzw. beschwören) vereint eine Auswahl von fortlaufenden, sowie neuen Arbeiten des britischen Künstlers Dryden Goodwin. Die mehrdeutige Geste auf der Bildoberfläche – in die Photographien von Menschen durch Zeichnen, Ritzen oder Knicken einzugreifen – also die Berührung der Oberfläche, kennzeichnet Goodwins künstlerisches Verständnis der Medien Photographie und Zeichnung. In seiner Bearbeitung der Photographien wird seine Vorstellung veräußert, dass mittels der gezeichneten, geritzten bzw. geknickten Spuren eine Art von Beziehung bzw. ein Kontakt zwischen dem Künstler und den Subjekten, zwischen den einzelnen Personen, hergestellt werden könnte und somit ablesbar ist. Mehrere Interpretationen lassen somit die entstehenden Bilder zu, welche in ihrer Geste als Zärtlichkeit oder Feindseligkeit, auch als Empathie oder Betrug deutbar werden.

In den noch laufenden Serie Cradle (dt. Wiegen bzw. wiegen) ritzt Goodwin auf die Oberfläche der schwarz-weiß Photographien ein, welche er von vorbeigehenden Menschen auf der Straße macht. Als ob Goodwin auf den ursprünglichen Augenblick des Aufnehmens, die nachdenklichen Momente seiner Subjekte, zurückgreifen will, verdeutlicht der Titel Cradle, Goodwins Intention sich in die Photographie einzuschreiben. Die Photographien werden damit zum Ort der Bewahrung und der Pflege über die fremden Personen, über welche er in den Porträts nachdenkt und dabei eine Beziehung, fast eine Vertrautheit, zu den Unbekannten gewinnt. Dennoch bleibt im Kratzen auf die Bildoberfläche auch der verletzende Eingriff, sowie die Verletzbarkeit der Subjekte, durch seine weniger harmlose Form des Voyeurismus, spürbar.
 
In Caul, zeichnet Goodwin auf der Photographie mittels einem digitalen Grafiktablett: Der Künstler übt mit einem Eingabestift Druck auf die membranartige Oberfläche aus. Je mehr Druck angewendet wird, desto tiefer und leuchtender wird die gezeichnete Linie. Caul (dt: die Glückshaube) beschreibt die dünne Membran der Fruchtblase, die den Kopf oder das Gesicht eines Kindes bei der Geburt überzieht. In manche Kulturen ruft die Glückshaube dämonische Assoziationen hervor; häufiger wird sie aber als ein Zeichen gesehen, durch welches das Kind geschützt wird, oder sogar besondere Kräfte bekommt. Goodwins Titelwahl schließt an diese Symbolik an und unterstreicht mit den bezeichnenden roten Linien den viszeralen Charakter, welcher die Gesichter der Menschen wie Blutgefäße oder rohe Gewebe überziehen.

Seine jüngste Arbeit Mould (dt. ab/formen, bzw. die (Gieß)form) erweitert diese Untersuchungen und die Bearbeitung der Oberfläche der Photographien wird um weitere Dimensionen ergänzt: Durch das Falten, Knicken, Einkerben und Durchstechen werden die Studien von Köpfen verstärkt und bis an die Schwelle der Dreidimensionalität überführt. Damit versucht Goodwin wortwörtlich, eine geeignete „Form“ für seine Vermutungen und Mutmaßungen über diese Menschen zu finden, indem er sie durch seine Eingriffe auf die Oberflächen als Photographien wiederzubeleben versucht. Die Serie Mould, verweist in ihrer Präsentation, teils als Gruppierungen (Anhäufungen), teils als einzelne Objekte, auf die Möglichkeit der Vervielfältigung von Assoziationen hin und fungiert als Nährboden (dt. Übersetzung für "mould" bedeutet zum anderen der Schimmel) imaginativer Zusammenhänge und Verknüpfungen. Goodwin, der sich für die Wiedereinführung von Hand und Geist in das unendlich reproduzierbare photographische Bild interessiert, formt und gestaltet diese photographischen Oberflächen zu einzigartigen Flachreliefs.

In der Ausstellung werden die zwei Animationen Rock und Shapeshifter ebenfalls gezeigt.