Galerie Raum mit Licht

 

ELISABETH WILDLING

»ENDLESS DIALOGUE«

Eröffnung: Mittwoch 16. März 2011, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 17. März - 13. Mai 2011

Der Blick braucht ein Medium / Visionen von Raum und Zeit
 
Elisabeth Wildling thematisiert in ihren Arbeiten die Erfahrung der Diskontinuität von räumlicher und zeitlicher Wahrnehmung. Sie sprechen von dem Verhältnis des Individuums zu seiner Umgebung und hinterfragen Mechanismen der Konstruktion von Identität und Authentizität. Ihr Werk zeichnet sich durch einen konzeptuellen Zugang aus. Ihr künstlerisches Spektrum umfasst Videoinstallationen, digitale Medieninstallationen, Foto-und Papierarbeiten. Ihr besonderes Interesse gilt der menschlichen Wahrnehmung von Objekten und Raumkonstellationen und deren mentale Repräsentation, mediale Vermittlung und Manipulation. Künstlerisch-räumliche Inszenierungen, welche die visuelle Raumorientierung und Zeitwahrnehmung irritieren oder außer Kraft setzten, bilden einen besonderen Schwerpunkt.
 
Die Ausstellung Endless Dialogue zeigt teils interaktive, die BetrachterInnen miteinbeziehende Medieninstallationen wie endless (Wien, 2011), HamletHamlet (Wien, 2007) und Anne Frank (Amsterdam, 2008), die für diese Ausstellung neu inszeniert wurden. Gemeinsam ist ihnen eine Wahrnehmungserfahrung zwischen progressiver Irritation und unerwarteter Stimulation, die das Ergebnis einer koordinierten Orchestrierung von Sinneseindrücken ist.


In der Videoinstallation endless etwa gerät der Zuschauer durch ein gleichzeitiges sich Annähern und Zurückweichen der Raumelemente in einen unauflöslichen, optischen Widerspruch. Durch die Bewegungen und die parametrischen Änderungen "des Apparates", der eine perspektivische Störung bewirkt, wird der Raum zur handelnden Struktur. Mittels einer Doppelprojektion entsteht ein Gesamtbildraum, in dem die Raumelemente in ein Wahrnehmungsspiel treten. Es entsteht ein unauflöslicher Widerspruch in der Differenz der beiden wahrgenommenen Bilder. Während des Wahrnehmungsprozesses treten die Differenzen zwischen den beiden Einzelbildern in einen Dialog.

Das Gefühl unterschwelliger Bedrohung, sowie Emotionen von Angst und Trauer werden im Fall der Mehrfachprojektion für das Stück Anne Frank: Leeft en Werkt durch eine verfallende gemusterte Tapete hervorgerufen. Digital manipuliert überlagern sich Muster aus nostalgischen Motiven. In einer stark verlangsamten zeitlichen Skalierung, nur als schleichender und unaufhaltsamer Prozess wahrnehmbar, wird Schicht um Schicht freigelegt bis schließlich außer den kahlen nackten Wänden nichts übrig bleibt. Der Projektionsraum wird zu einer Metapher für einen leeren Erinnerungsraum, in welchen sich die Darsteller des Stücks am Ende der Vorstellung begeben.

Im Fall ihres Beitrages für das Stück HamletHamlet sind es ebenfalls in einen Bühnenraum projizierte grafische Animationen, die eine Parallelwelt bilden. In einer eigenen visuellen dramaturgischen Abfolge erschließen die bewegten Strukturen einen von filmisch-flächigen bis zu einem auf die Raumkonstruktion projizierten mehrdimensionalen Lichtraum. Der durch das Gift des Bilsenkrauts geschwächte Hamlet löst sich im Verlauf des Stücks in den raumgreifenden und stroboskopartigen Projektionen allmählich auf.

Katerina Cerny