Galerie Raum mit Licht

 

HARSIEBER & KUBELKA

Vernissage: Mittwoch, 17.01.2018, 18:30 – 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 18.01. – 09.03.2018

Image © Heidi Harsieber & Friedl Kubelka, 1971

Ein künstlerischer Diskurs. Ein für beinahe vier Jahrzehnte andauernder kreativer Dialog.
Zwei Leben ineinander verwoben, sich gegenseitig anregend und auf einander einwirkend.

In der Ausstellung »Harsieber & Kubelka« zeigt die Galerie „Raum mit Licht“ Parallelen beider Oeuvres. Ein Dialog, der sich konstant sowohl in das künstlerische Schaffen, als auch in deren Leben eingeschrieben hat. Indem sich ihre Arbeiten wie Puzzlestücke zu einem Ganzen fügen, werden die Besucher_innen der Ausstellung in ein Netz aus Relationen verwoben.

Die Ausstellung besteht aus vielen Facetten, aus Spiegelsplittern in Form von Selbstportraits. Das immer dekadente Wien ist Mittelpunkt und Hintergrund - sofern beides zugleich möglich ist. Der Zeitraum der Freundschaft und gegenseitigen Beeinflussung spannt sich von 1970 bis 2017:  Dazu gehören die Arbeitsbedingungen als kommerzielle Fotografinnen in den Siebziger und Achtziger Jahren, das Unterrichten der Fotografie, die politische Entwicklung des Landes, die hier arbeitenden Künstler und natürlich die selbstgegründeten Familien in eben diesem Milieu. Vergangenheit und Gegenwart werden auf unterschiedliche Weise, oft unter Protest, verdaut und ausgeschieden. Trotzdem ergeben sich sehr ähnliche fotografische Reaktionen auf das halbe Jahrhundert, das Harsieber und Kubelka hauptsächlich in Wien zugebracht haben. Oft werden sie für Schwestern gehalten.
Friedl Kubelka, Oktober 2017
 
Sowohl Harsiebers, als auch Kubelkas Arbeiten charakterisieren eine neugierige und psychologisch motivierte Herangehensweise. Die Aufmerksamkeit, die dem Individuum geschenkt wird, ist unübersehbar, egal ob es sich hierbei um Fremde, Familienmitglieder oder um die Künstlerinnen selbst handelt. Durch die Ergründung von Intimität, Einsamkeit, alternden Körpern, Sexualität und Endlichkeit dringen sie tief in die Identität der Portraitierten ein. Ihre Selbstportraits werden zur Verkörperung der eigenen Selbstermächtigung - ihr Ausdruck stets in Bewegung, sich entwickelnd und konvergierend.

1969 hat mich Friedl an der „Graphischen“ porträtiert, was haben wir damals miteinander geredet? Wir kannten uns seit Herbst 1968, aber nur vom Sehen. 1970 standen wir auf der Wiese vor dem Schiefen Turm zu Pisa, wir waren per Autostopp hierhergekommen. Worüber unterhielten wir uns? In Wien auf jeden Fall über Burberry, Hotpants, die Szene im Vanilla, Voom Voom, Atrium und U4 und über die politische Vergangenheit, den Aufbruch und die Entwicklung des Landes. Friedl beschäftigte sich mit Handlesen - bei Franz Zokan (Franz West) meinte Friedl eine sehr stark ausgeprägte künstlerische Hand-Linie zu erkennen – auch das war ein Gesprächsthema. Ebenfalls, schon 1970 – ich war 21 Jahre alt – starteten wir gemeinsam in die berufliche Selbstständigkeit als Fotografinnen für Mode, Industrie, Portraits und Reportage. Ein gemietetes Zimmer in Gloggnitz war unsere Geschäftsadresse, Aufträge ergaben sich hauptsächlich in Wien. Neben der Arbeit führten wir einen regen Gedankenaustausch, besonders über das Thema künstlerische Fotografie in Abgrenzung zu der sogenannten Fachfotografie, über die wir hinaus wachsen wollten. Unsere Liebesbeziehungen endeten abrupt durch Suizid und einen tödlichen Autounfall 1972 bzw. 1973 – wir standen einander bei. In aktuellen Dialogen geht es manchmal ums Altwerden und um das Abschiednehmen.
Heidi Harsieber, Oktober 2017