Galerie Raum mit Licht

 

JEMIMA STEHLI

»SHE LOOKED BACK«

Eröffnung: Donnerstag 05. November 2010, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 06. November - 18. Dezember 2009


»She looked back« ist Jemima Stehlis erste Einzelausstellung in Wien.

„Die wechselnden Positionen, die ich im Verhältnis zur Kamera einnehme, die Integration von anderen Akteuren, als auch die Produktion des Bildes sind für meine künstlerische Arbeit von Bedeutung.“
Jemima Stehli, 2009

In Stehlis früheren Arbeiten, die auf den Skulpturen von Allen Jones Table und Chair (1997/1998) und After Helmut Newtons Here They Come (1999) basieren, nimmt sie die Position eines nackten Objektes in den Arbeiten dieser Künstler ein. In ihren Arbeiten wie z.B. Wearing shoes chosen by the curator (1999), Strip 1999/2000 und Photo Performance (2005), übernehmen Kritiker, Autoren und Künstler selbst die Entscheidungen für die Inszenierung des Bildes.

Die Galerie Raum mit Licht zeigt Stehlis neuere Arbeiten, die im Kontext zu früherer Werke in denen der performative Moment des Aufnehmens als ein wesentlicher Teil des Bildes stehen. To my left (2008) ist eine Serie von überlebensgroßen, schwarzweißen Selbstporträts mit Jemima Stehli am Bildrand, während eines Versuchs sich selbst am Rand des Negativs vorzustellen und ihren Körper einzupassen. In diesen Arbeiten verschleiert das Haar immer ihr Gesicht. Parallel zu To my left wird eine Serie überlebensgroßer, hand-printed, schwarzweißer Porträts von PerformerInnen und MusikerInnen gezeigt, deren meist bewegte Mienen in absoluter Ruhe bei deren Beobachtung eingefangen wird.

Rein graphisch zeigen diese Photographien nichts anders als die nackte und äußerst intime Einbezogenheit, die das Subjekt mit dem im Augenblick des Ablichtens hat. Diese Porträts sind kein Versuch eine Persönlichkeit darzustellen: Jedes Subjekt wird unter den gleichen Bedingungen photographiert, ob in London oder in Lissabon, und nur die rechte Seite des Gesichts, vom Betrachter aus gesehen, durch Tageslicht beleuchtet. Der Fokus liegt auf der Symmetrie und der Wiederholung. Das Gesicht wird zu einer gänzlich formalen Struktur, gesehen durch das Kameraobjektiv. Lucie 1, Lucie 2 (2008) sind die ersten Bilder dieser Serie, zwei scheinbar identische Photographien wo nur der Abstand zwischen Subjekt und Kamera leicht verändert ist. Gaza und Makoto 4 (beide 2009) sind Photographien vom Bassspieler sowie vom Sänger der Band If Lucy Fell aus Lissabon. Diese Porträts sind Teil einer neuen Entwicklung in Stehlis künstlerischer Arbeit, in der sie eine neue Position hinter der Kamera besetzt.

Auf einer Reise nach Philadelphia mit dem Künstler Dan Graham und Kathy Battista ist bei der Besichtigung des Pavilions im Garten eines Sammlers die erster dieser Arbeiten, das Video The Heart Pavilion (2007), entstanden. In ähnlichen Videoarbeiten werden von Jemima Stehli KünstlerInnen und deren Beziehungen zu ihrer eigenen Arbeit gezeigt. Gelegentlich bringt sie sich selbst in den Dialog ein oder sie wird ein Teil der von ihr bestimmten Handlungen, ohne dabei den Platz hinter der Kamera zu verlassen.

Seit beginn 2009, arbeitet Stehli kontinuierlich mit der Band If Lucy Fell an einer Serie von Arbeiten. Das Video If lucy fell 10/4/09, eine Aufnahme eines Konzerts in Santiago Alquimista in Lisabon, wird in der Ausstellung »She looked back« gezeigt. Im Gegensatz zu der Stille der schwarzweiß Photographien, sind alle Videos von Hand gefilmt und gewinnen daher an Dynamik. In konstanter Bewegung umkreist die Künstlerin ihr Subjekt. In If Lucy Fell 10/4/09, filmt Stehli die Band direkt auf der Bühne um die Energie der Live-Performance einzufangen und in den Nahaufnahmen der Musiker wiederzugeben.

Jemima Stehli, geboren 1961, lebt und arbeitet in London. Ihre Arbeiten wurden in den letzten zehn Jahren mehrmals ausgestellt und sind sowohl in staatlichen und privaten Sammlungen in Europa und den U.S.A. vertreten. In Zusammenarbeit mit dem englischen Künstler John Hilliard entseht ein Buch gemeinsamer Arbeiten mit Essays von Mark Francis, Simon Baker and Giorgio Vezzotti beinhalten. Im Rahmen des Iaspis 2009 Programm verbrachte Jemima Stehli einige Monate in Göteburg (Schweden).