Galerie Raum mit Licht

 

JOHN HILLIARD

JOHN HILLIARD
»Two-Faced«

„Seit 2002 thematisieren meine Photoarbeiten, auf einer oder der anderen Weise den ‚Blickwinkel’. Anfangs, hat diese Arbeit ein symmetrisches Sujet von vier Positionen aufgenommen, immer von der gleichen Höhe und vom gleichen Abstand, auf einem einzelnen Stück Film, mit vierfacher Belichtung. Das zentrale Element, ähnlich oder identisch in Erscheinung von dem jeweiligen Gesichtspunkt wird vierfach übereinander belichtet (die Form ist dadurch besonders bekräftigt), während die ebenfalls unterschiedliche übereinander gelagerte Hintergründe komplexer werden und verleihen dabei zugleich mehr oder weniger Information als in der ‚normalen’ Aufnahme. Je nach Sujet, sind auch dreifach belichtete Fotografien entstanden, und in letzter Zeit, einfache Doppelbelichtungen. Es sind im Wesentlichen ‚Profile’, wobei das Sujet nicht mehr ganz symmetrisch sein muss, und nur den gleichen Umriss besitzt, umkehrbar von zwei gegenüberliegenden Punkten. Diese Arbeiten werden auf zwei getrennten Filmen belichtet: ein Film wird horizontal umgeklappt um ein seitenverkehrtes Bild zu produzieren – das Hauptelement (beispielsweise ein Gesicht im Profil) bestätigt das Gleich-Sein, und die zwei gegenüberliegende Hintergründe werden nun in einem komplexen Superposition wiedergegeben.

In dieser neuen Serie wird zum Teil diese Strategie weiter verkompliziert durch einer Einführung von Verkürzung. Das Sujet neigt sich um fünfundvierzig Grad, entweder zur Kamera hin oder weg davon, in einer genau umgekehrten Perspektive; eine Konfiguration wird deckungsgleich über die andere gegeben und so findet eine vertikale Umkehrung statt. Das Ergebnis ist ein übereinander gelagerter Blick, ein ‚richtig herum’ und das andere‚ ‚auf dem Kopf’ gestellt. Es ist dadurch möglich das resultierende, zusammengesetzte Bild so oder so aufzuhängen.“
 
John Hilliard
JOHN HILLIARD
»Colour less»

Als eine Folge der anfänglichen Bedenken um die Dokumentation seines Skulpturen-Werkes setzte sich John Hilliards photographisches Werk kontinuierlich mit Themen der Darstellung, parallel laufend mit einer systematischen Erkundung des Mediums Photographie, auseinander – ein Prozess der Kritik und Lob gleichermaßen beinhaltete.

Im Mittelpunkt seines jüngsten Werkes stehen die Entscheidungen, die man treffen muß, um die „Perspektive“ (sowohl die tatsächliche im Sinne der Photographie als auch die sprichwörtliche) in Bezug auf ein statisches Objekt richtig zu wählen, damit im Ergebnis gleichzeitig mehr als ein Blickpunkt durch das Medium Kamera ermöglicht wird.

„Als ich bei der Aufnahme eines symmetrischen Objektes die Folgen der Auswahl einer bestimmten Perspektive im Vergleich zu einer anderen untersuchte, und im gleichen Zeitpunkt die Leistungsfähigkeit der Kamera mehrere Aufnahmen eines Objektes auf ein einziges Stück Film zu produzieren, erkundete, habe ich zahlreiche Arbeiten geschaffen, die entweder drei oder (üblicherweise) vier Perspektiven eines Objektes als ein gemeinsames Ganzes darstellen. Diese Technik erlaubt eine Gleichzeitigkeit von sonst getrennten Darstellungen und führt zu einem komplexen Bild, das aus dieser Überschneidung entsteht (z.B. Four Subjects Viewed From Around A Prepared Base, 2004; Inside Out, 2005). Der Wunsch diese etwas mühsame und langwierige Produktionsmethode der Drei- und Vierfachaufnahmen (die alle genauestens vermessen und beleuchtet wurden, um die Gleichmäßigkeit der Abstände und Beleuchtung zu garantieren) zu umgehen, führte zu einer Reduktion des Prozesses und der Darstellung. Diese war vor allem auch durch das Interesse, einige asymmetrische Objekte aufzunehmen, motiviert. Durch die Reduktion der variablen Perspektive auf eine niedrige Anzahl (zwei), wurde ein jüngeres Werk auf eine zweifache Darstellung beschränkt. Dies auch, um einen Vergleich und einen Kontrast zu ermöglichen. Die Objekte wurden ausgewählt, da sie dadurch aus zwei gegenüberliegenden Blickpunkten ein ihnen spezielles (seitlich invertiertes) Profil erhalten.“

John Hilliard