Galerie Raum mit Licht

 

JONAS FEFERLE & KLAUS PAMMINGER

»DISPLAyCEMENT« Teil 2

Eröffnung: 04. Dezember 2013, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 05. - 20. Dezember 2013 / 09. Jänner - 01. Februar 2014

Bereits der Titel der Dialogausstellung zwischen Klaus Pamminger und Jonas Feferle in der Galerie Raum mit Licht – Displaycement – liefert einen wichtigen Hinweis zum Verständnis ihrer künstlerischen Methode: Sowohl die jeweiligen Arbeiten als auch deren Präsentation folgen den Regeln einer räumlichen Bedeutungsverschiebung, welche ihren Ursprung und Anker im Medium der Fotografie findet, und sich im Fall der aktuellen Ausstellung gar auf das Display des Ausstellungsraumes selbst erstreckt.

   Dass sich die Beschäftigung mit Fragen zum räumlichen Fotografieverständnis schon länger durch das Schaffen der beiden Künstler hindurchzieht, lässt sich leicht mit einem Blick auf die bisherigen Arbeiten feststellen. Bei Klaus Pamminger etwa finden wir unter jenen der letzten Jahre fotografische Raumkonstruktionen, deren Elemente intarsienartig zu einander gesetzt, und in Folge auch als solche betitelt sind. Bei seinen Rauminvasionen ging er einen Schritt weiter, indem er Stills als filmisches Material über den fotografischen Raum geschichtet und damit diesen  umgebaut hat – ein Vorgang, welcher auch in seinem Prozess im Medium Film festgehalten und damit in eine neue Dimension überführt wurde.

   Jonas Feferle hingegen hat die Fotografie in ihrer materiellen Präsenz innerhalb des Realraumes überprüft, und ihr typisches Trägermaterial – Aluminium-Verbundplatten – installativ verwendet, indem mit diesen bildhaft Raumarchitektur verkleidet wurde. Dieses Verkleiden ist von einer gewissen Ambivalenz gekennzeichnet, denn der Raum wird gleichzeitig betont als auch zum Verschwinden gebracht: Das Raumganze wird selbst zum Bild, und ebenso die Bildplatte zum fügsamen Element des Raumes. Zuletzt kehrte Feferle wieder zur Fotografie als solche zurück, wenn auch um eine Architektur abzubilden, die seine eingeschriebenen Installationen zeigt, wobei er ähnlich einer negativen Intarsienmethode jene Teile aus dem fotografischen Bild herauslöst, welche ebendiese Installationen zeigen: In dieser Demokratisierung von freigelegtem Trägermaterial im doppelten Sinn findet somit eine Gleichsetzung von Bedeutungsebenen in ihrer dimensionalen Differenz statt, die in dieser Koppelung auf eine Metaebene hinweist, welche als solche in der Ausstellung Displaycement dem Schaffen beider Künstler eingeschrieben ist.
   So finden wir schließlich innerhalb des Settings zur Ausstellung zum einen Feferles Verkleidungen vor, an deren relativen Dimensionierungen zum anderen die Projektionen von Pammingers Filmen direkt angeschlossen sind, die nichts weniger zeigen als die digitalen Masken, welche er sonst benutzt, um die Schichtungen im bewegten und unbewegten Bild vorzunehmen: Auch hier wird über die Fotografie hinaus auf eine Ebene hingewiesen, die sich nur zu Beginn aus dem Raum heraus konstituiert. Der filmische Begriff des Settings kann im Ausstellungskontext bis zu jenem Punkt wörtlich verstanden werden, an dem die Arbeiten in ihrer Selbstreflexion für einen erweiterbaren Bedeutungshorizont ihrer selbst als indexikalische Zeichen eintreten.
   Wie sehr die Künstler eine solche Öffnung – ausgehend von multivalenten Raumstrukturen – vornehmen, lässt sich an Feferles Verkleidung von Fenster- und Türelelementen ebenso ablesen, wie an Pammingers aktueller Arbeit „Mackey vs. Film“, in welcher er Stills aus den Filmen „Gone with the Wind“ und „Mutterliebe“ – beide aus dem Jahr 1939 – über die fotografisch und filmisch festgehaltene Architektur des Mackey-Hauses in Los Angeles – im selben Jahr erbaut – legt, und miteinander in Beziehung bzw. Konkurrenz treten lässt. Hier erfolgt eine Verdichtung historischer Inhalte, die unter Verwendung formal-ästhetischer Werkzeuge erst auf die Zeitlichkeit des Mediums, und schließlich auf ein übergeordnetes Kontinuum verweist.
   Präsentation wie Bezugnahme der gemeinsam und zueinander konzipierten Arbeiten schließen in ihrer Auseinandersetzung mit den Bedingungen des Raumes zusätzlich an den Diskurs über das Dispositiv an, wenn das Prinzip der räumlichen Ordnung zugunsten der Anordnung selbst kritisch befragt wird. Wenn hier Jonas Feferle Aluminium-Verbundplatten im Galerieraum in weißer Beschichtung installiert, so wird auch die Relevanz des Dispositivs in seinem soziologischen Geflecht beleuchtet, welches uns auch über den White Cube im Verhältnis zu denen ihm sonst eingebetteten Ausstellungsexponaten nachdenken lässt. Ähnlich können auch Klaus Pammingers Filme kontextualisiert werden, bei welchen erst in der zeitlichen Reihung ihrer einzelnen maskierten Raumelemente letztlich ebendiese auf den Ausstellungsraum schließen lassen. Der White Cube kennzeichnet hier einen temporalen Erfahrungsraum, der sich mit den Augen tastend erschließt, ebenso wie der Galerieraum einen Ort repräsentiert, der subjektabhängig unterschiedlich, aber vor allem im Wandel wahrgenommen wird.
   Der Ausstellungsdialog nimmt demnach seinen Anfang in der gegenläufigen Haltung der beiden Künstler zu den Polen Verdichtung-Auflösung im Raum, und führt sie schließlich weiter zur gemeinsamen Prämisse einer Kunst als transzendierende Handlung dimensionaler Beschränkungen, und somit hin zur Flüchtigkeit des jeweiligen für einander geschaffenen Bildes.

Andreas Müller 2013