Galerie Raum mit Licht

 

KÄTHE HAGER V. STROBELE

„Eingekleidet von Glasvitrinen hängen die Fotografien wie Relikte in historischen Museen.
Hier herrschen alltägliche Ordnungen: Farben und Texturen der Umgebungen lassen Verwandtschaft mit den Mustern und Schnitten der Kleidungsstücke erkennen. Volumina, welche die Kleider zu Skulpturen werden lassen, treten in Resonanz mit der Menschenleere des Raums, der sie umgibt. Und doch quillt aus diesen strukturalen Verwandtschaften nicht nur Einklang und Übereinstimmung hervor - hier tritt das Unheimliche auf die Bühne.

Die Fotografie ist eine heimelige Kunst. Sie holt das Fremde aus aller Welt in den vertrauten Rahmen eines Bildes. Sie lässt die Ausmaße des Wirklichen ohne dessen Unannehmlichkeiten erahnen.
Die Fotografie ist eine unheimelige Kunst. Sie kümmert sich gleichermaßen um die Bewahrung und Veröffentlichung des Vertrauten wie um die Eroberung und Vermes- sung des Unvertrauten, Neuen und Fremden.

Die Fotografie ist eine unheimliche Kunst. Sie erzählt von einer grundlegenden und latenten Unsicherheit des menschlichen Blicks: dem eigenen Auge beim Sehen nicht zuschauen zu können.
Käthe Hager von Strobele entwickelt diese Wesenszüge der Fotografie in ihren Zusammenstellungen von Fotografie und Rauminstallation und erweist sich darin als Verfechterin einer künstlerischen Praxis, die den Ausdruck menschlicher Gewohnheiten an den Überbleibseln, den zurückgelassenen Spuren von Gebräuchen und Verwendungen untersucht. Kleidungsstücke nützen sich ab, werden geflickt und aufbewahrt – gleich den Körpern, die sie tragen. Als ob die Dinge ein Gedächtnis hätten, erzählen diese Arbeiten von einer Lebendigkeit des Abwesenden – vom Blick auf die Hülle, der tiefer sehen und erkennen lässt, als es der flüchtige und reale Augenblick je könnte.“
 
Roman Widholm, Auszug aus: Left over, in: Käthe Hager von Strobele. Left over, Katalog zur Ausstellung, foto-forum, Bozen (Hg.), 2010