Galerie Raum mit Licht

 

KLAUS PAMMINGER

»DIE INVERSIONEN DES KLAUS PAMMINGER«

Eröffnung: Mittwoch 12. Jänner 2011, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Jänner - 05. März 2011

(im Rahmen der Ausstellung)
FILMABEND mit Klaus Pamminger
Freitag 25. Februar, 19:30
Filmbeginn: 20.00


“In Pammingers Kurzfilmen findet eine Verschiebung in der Lesbarkeit vom Realraum des Individuums hin zum inszenierten Bild statt und wirft durch den Einbruch des Filmes in diese Welt Fragen zum diegetischen Spannungsverhältnis auf.”  (Andreas Müller)

“Der reale Raum wird von einer Tapisserie medialer Wahrnehmung überzogen. Oder anders gesagt: die mediale Wahrnehmung, schreibt sich dem Raum ein, in dem sie stattfand.” (Maya McKechneay)

„...Aber ein Film, das gebe ich gerne zu, sprengte sogar die Kategorie eins  [Jene Experimentalfilme, welche grundsätzlich und autonom so faszinierend oder spannend wirken, dass der Wunsch nach Verständnis sekundär wird.]. Er ist tatsächlich visuell so spannend, dass man für kurze Zeit die Frage nach Technik dahinter zurückstellt. Dann aber kommt sie um so heftiger. …” (Michael Sennhauser, über Diagonale-09: ri-m#07_LP)

“Das Ergebnis von Klaus Pammingers ungewöhnlichen Episoden ist eine unmerkliche, aber umso beeindruckendere Metamorphose des filmischen Raums.” (VIS, 2010)

Programm:

Rauminvasionen, Serie 1:
ri–m#01_PF, 2009, 3’ 00“ (feat. Pulp Fiction / Quentin Tarantino, 1994)
ri–m#02_TB, 2009, 2’ 53“ (feat. The Birds / Alfred Hitchcock, 1963)
ri–m#03_BDJ, 2009, 3’ 17“ (feat. Belle de Jour / Luis Buñuel, 1967)
ri–m#04_Ve, 2009, 2’ 57“ (feat. Vertigo / Alfred Hitchcock, 1958)
ri–m#05_BV, 2009, 2’ 50“ (feat. Blue Velvet / David Lynch, 1986)
ri–m#06_Al, 2009, 3’ 02“ (feat. Alien / Ridley Scott 1979)
ri–m#07_LP, 2009, 3’ 37“ (feat. La Pianiste / Michael Haneke, 2001)
ri–m#08_Th, 2009, 3’ 33“ (feat. Themroc / Claude Faraldo, 1973)

Vorpremiere: SHINE OFF ME
AT 2010, 4’ 46“ (dedicated to a relationship manqué)
Uraufführung/Kinopremiere: Diagonale 2011

Die Inversionen des Klaus Pamminger

In die realen Räume der Galerie Raum mit Licht projiziert Klaus Pamminger seine experimentellen Kurzfilme. Diese sind ihrerseits Verfilmungen von einzelnen Photoarbeiten. Die vielschichtigen „Photo-Intarsien“ – collagierte, vielfach verschachtelte Photographien – zeigen die Räume der Wohnung des Künstlers. Darin aber Bilder, Szenen aus klassischen Kinofilmen, die wie Halluzinationen, die Räume bevölkern.
Jeder der acht Kurzfilme aus seiner Rauminvasionen - Serie 1 bezieht sich auf ein bestimmtes Werk der Filmgeschichte, das heißt auf eine bestimmte Vision, denn er ist generiert aus einem einzigen stehenden Bild:  der Photographie als Intarsie. Durch die geloopte Präsentation der Filme in der Ausstellung eröffnet sich die Möglichkeit einer detaillierteren Wahrnehmung.
In den vordergründig klassischen Photoarbeiten wird der Raum fließend durch die Invasion der fremden Bilder. Somit bewirkt die Verschränkung der räumlichen Ebenen eine Gleichzeitigkeit  höchst ungleichzeitiger Zeiten. Die scheinbar statische Photographie erfährt durch die Traumzeit ihre Tiefenstruktur und wird so zum Film, der einen Raum hervorbringt, welcher seinerseits statisch zu sein scheint. Zu den heterotopen Räumen zählt Michel Foucault das Kino, weil es die Möglichkeit eröffnet in Räumen von unterschiedlicher Ordnung zugleich anwesend zu sein: im Kino und in den Räumen des Films. Klaus Pamminger spielt mit dieser Verwirrung der Ebenen, indem er die Heterotopie potenziert: La Belle du Jour räkelt sich auf dem Hochbett des Künstlers. In der Galerie werden diese Situationen durch die Anwesenheit realer Objekte, Versatzstücke aus den Filmen erlebbar. Die räumliche Anordnung der Galerie entspricht dem Drehort der Filme, die Wohnung des Künstlers  wird begehbar und öffnet sich den Besucherinnen. Leuchtkästen und Photographien bilden in dieser Raumsituation eine weitere Ebene. Sich „im Film“ zu befinden, schärft das Empfinden für die Wirkweise der dieses komplexe Gefüge bildenden Einzelmedien und die unterschiedlichen Realitäts-Räume von Bildern. Wenn der Mensch „das ins Kino gehende Tier“ (Giorgio Agamben) ist, könnte es in einer solchen Höhle leben.

Daniela Hoelzl