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Stephan Hilge, Markus Hofer, Roman Pfeffer, Roland Reiter,
Nita Tandon, Rainer Wölzl, Erwin Wurm
(NO) RELATION
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Ausstellung: 13. Jänner - 25. Februar 2010
(NO) RELATION
Die sieben KunstlerInnen – Stephan Hilge, Markus Hofer, Roman Pfeffer, Roland Reiter,
Nita Tandon, Rainer Wölzl und Erwin Wurm – stehen in ungewöhnlicher Verbindung zueinander.
Sie haben an unterschiedlichen Orten gelernt und studiert, unterscheiden sich in der Wahl der
Materialien und Stile und scheinen thematisch und inhaltlich nahezu auseinanderzustreben. Vereint sind
sie jedoch durch die gemeinsame Lehrtätigkeit an der Universität für angewandte Kunst Wien, Klasse
Bildhauerei und Multimedia.
Die Unterschiede in der jeweiligen Arbeitsweise könnten nicht größer sein, es lassen sich aber auch
deutliche Gemeinsamkeiten herstellen. So zum Beispiel die permanente Befragung des Mediums
Skulptur, die Erprobung von Wahrnehmung im Spannungsfeld Objekt/Skulptur/Installation und nicht
zuletzt der Versuch einer ständigen Erweiterung dieser Begriffe hin zu gesellschaftlichen Fragestellungen.
Was sich optisch, räumlich und auch inhaltlich als so verschieden präsentiert, wächst auf der Ebene
des gleichen Anliegens wieder zusammen und ergibt ein spannungsvolles Bild einer nicht zusammengehörenden
Gruppe, die sich in bestimmten Momenten äußerst nahe steht.
Der Titel (No) Relation bezieht sich demnach auf diese spezielle Situation und stellt bereits in Aussicht,
dass es immer möglich ist eine Verbindung herzustellen. Selten aber ist das so ein aufregendes Unterfangen
wie bei dieser Ausstellung.
Stephan Hilge
In seinen Arbeiten verwendet und überarbeitet Stephan Hilge Dinge des täglichen Lebens, wie
Joghurtdeckel, Höschen oder Urlaubsschnappschüsse. Formen, die das Rohmaterial für Fotografien,
Siebdrucke und Metallplastiken werden. Sein Interesse liegt in den morphologischen Veränderungen
von Gebrauchsgegenständen, die zu Kunstobjekten transformiert werden. So können überdimensionale
Metall-Höschen und architektonische Metall-Objekte, zu Stadtlandschaften zusammengestellt werden.
Ansichten aus diesen Landschaften werden fotografisch festgehalten und so wieder zu Objekten der
Kunst.
Markus Hofer
Mit dem Gegensatz zwischen unserer allgemeinen Wirklichkeit und seiner persönlichen Wirklichkeit
beschäftigt sich Markus Hofer in seiner Arbeit.
Das Ausgangsmaterial für seine Skulpturen sind meist Alltagsgegenstände wie Möbel, Werkzeuge oder
Geschirr, welche dann umgebaut und erweitert werden und somit ihren ursprünglichen Verwendungszweck
verlieren. Die entstandenen Objekte enthalten zwar noch Elemente ihrer ursprünglichen Herkunft,
existieren aber jetzt in einer neuen Form in einer neuen Wirklichkeit. Die Erinnerung an die Dinge
ist zwar gegeben, es erfolgt aber zwangsweise eine neue Einordnung derselben.
In diesem Spannungsfeld versucht Markus Hofer auszuloten inwiefern sich die unterschiedlichen
Ausprägungen der Realität innerhalb jedes Einzelnen von uns manifestieren und auf welche Weise diese
nebeneinander existieren.
Roman Pfeffer
Ironie, Transformation und Verdichtung bestimmen die Herangehensweise, mit der Roman Pfeffer den
alltäglichen Gegenständen ebenso wie der bildenden Kunst zu Leibe rückt. Seine Arbeiten bleiben dabei
nicht einem bestimmten Medium verhaftet, sondern bewegen sich spielerisch zwischen den einzelnen
Gattungen, zwischen Architektur, Bildhauerei, aber auch Malerei und Grafik sowie Fotografie.
Roland Reiter
Das Haar in seiner Einzigartigkeit, als Träger von Informationen.
Das Haar in seiner Bewegung und Dynamik.
Das Haar als Ganzes ist mehr als die Summe der Teile und entwickelt eine spezielle Ästhetik.
Die Untersuchung von skulpturalen Aspekten bis hin zur graphischen Inszenierung steht in Roland
Reiters Arbeit im Vordergrund. Eine höchst sensible, nahezu hyperrealistische Umsetzung von Körperfragmenten,
welche in einen neuen Kontext gestellt werden, zeigen die große Dringlichkeit diese
Thematik künstlerisch zu erfassen.
Nita Tandon
lotet in Ihrer künstlerischen Arbeit die Grenze zwischen Zwei- und Dreidimensionalität aus. Während
die Medien und Materialien wechseln – Beton, Plastilin, Performance, Installation, Zeichnung oder
Sprache – spiegeln die Motive dieser Arbeiten stets formale Implikationen auf inhaltlicher Ebene. In
Fingerprint (2009), in dem die Künstlerin Fragen der Identität, Künstleridentität, Werk und „Handwerk“
thematisiert, wird aufgrund der Analogie zwischen dem hundertfachen analogen Fingerabdruck
der Künstlerin auf der scheinbaren Rückseite und der Nachbildung eines digitalen Motivs auf der
scheinbaren Vorderseite Form zum Inhalt und Inhalt zur Form.
Rainer Wölzl
Rainer Wölzl gehört zu denjenigen Künstlern, die mit ihrer Arbeit einen politischen Anspruch
verbinden. Wölzl erhebt moralischen Anspruch, übt Sozialkritik und hat sich konsequent der „Ästhetik
des Widerstands“ (Peter Weiss) ausgesetzt. „Das Verstummen, die Lähmung derer, deren Los es war, in
die Erde gestampft zu werden“ sei „weiterhin spürbar“, zitiert Wölzl Peter Weiss und versucht zugleich,
mit einer „Malerei des Verschwindens“ dieses Verstummen in doppeltem Sinn aufzuheben: Einmal zu
bewahren gegen die kreischende Ästhetik der bunten Warenwelt, zum zweiten aber den Verstummten
eine Art Stimme zu verleihen.
Die Farbe Schwarz ist seit Jahren eine dominante Konstante im Werk von Rainer Wölzl [...] Der Schatten
in seiner Bedeutungsvielfalt, als Projektionsbild, als ein nicht direkt beleuchteter Bereich, als die einem
bestimmten Einwirken abgewandte Seite, als ständiger Begleiter und im Kontext von Erinnerung - als
etwas kaum mehr Erkennbares, sind das Thema seiner aktuellen Werke.
(aus dem Pressetext für die Galerie Z, 2009 Von Renata K. Müller)
Erwin Wurm
Erwin Wurms Arbeiten zeigen uns ein verblüffendes Bild der Welt, in der wir leben. Seine ikonoklastischen
Objekte, Fotografien, Installationen und Videos sind Interpretationen und Darstellungen
von Alltagssituationen, die gleichzeitig den Begriff Skulptur hinterfragen und neu definieren. Wurms
Arbeiten umfassen verschiedene Bereiche des Lebens und stehen doch in einer analytischen Distanz
dazu, indem sie soziale Normen und Redensarten buchstäblich in die Kunst übertragen und dabei ihren
Inhalt zersetzen.
Eröffnungsrede von Franz Schuh PDF DOWNLOAD
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(NO) RELATION
The seven artists – Stephan Hilge, Roman Pfeffer, Markus Hofer, Nita Tandon, Rainer Wölzl and Erwin Wurm – are presented in unusual relation to each other. They trained and studied at different
places, they differ from one another in their choice of materials, their styles. It almost appears as if they
strive in directions away from one another, both thematically and content wise. They are united however,
by their joint teaching activities at the University for Applied Arts in Vienna, in the department of
Sculpture and Multimedia.
The differences of each of the artists’ methods could not be greater, yet certain distinct similarities
also become apparent. For example, the persistent investigation of the medium of sculpture; the
experimetation with the role of perception between fields of object, sculpture, and installation; and not
least, the attempt to constantly extend these terms to include socially relevant questions.
What appears to be so entirely dissimilar visually, spatially, as well as in terms of content, coalesces once
again at a level of common aims and interests, resulting in an exciting image of a group of people not
belonging together, whose positions lie very close to one another in specific aspects of their work.
Thus the title (No) Relation refers to this particular situation and holds out the prospect that it is always
possible to establish connections. It is however, seldom such an exciting endeavour as is the case with
this exhibition.
Stephan Hilge uses and adapts objects from our everyday world such as caps of yoghurt jars, underwear
or holiday snapshots, forms that are evocative of tools, instruments used by us in everyday life. He uses
them as raw materials for various mediums like photography, serigraphy, and cast metal.
Hilge’s interest lies primarily in the morphological changes in everyday objects and commodities, which
he transforms into objects of art. This allows him to arrange over-sized metal underwear and architectural
metal objects so that they bear a semblance to urban landscapes. In a further step, he photographs
these views into urban landscapes, transforming them yet again into objects of art.
Markus Hofer addresses the contradictions between the general reality surrounding us, and his own
subjective one. He often uses everyday objects like pieces of furniture, tools or crockery as basic
materials for his sculptures, which he then transforms and expands in such a way that they are bereft of
their original usage. These objects now exist in a totally new form, in a new reality. A new order of the
same results, although traces of their origins still exist.
Hofer thus sounds the way each of us perceives reality and how its various manifestations can exist side
by side.
Roman Pfeffer employs irony, transformation and concentration of information as the means for
dealings with everyday objects and art. Never restricted to one single medium in his work, he moves
playfully between different genres including architecture, sculpture, painting, graphics and photography.
Hair in Roland Reiter’s work as the bearer of information, with all its uniqueness, its movement and
dynamic quality, hair in its totality is more than the mere sum of its parts. It is the vehicle for a unique
aesthetics.
Reiter’s works are investigations of sculptural elements as well as graphic mise-en-scènes. He recontextualises
fragments of the human body in his highly sensitive, almost hyper-realistic products,
revealing thereby the exigency to incorporate this theme in art.
Nita Tandon examines the borders between two and three-dimensionality in her work. While the
mediums and the materials she uses may vary – concrete, modelling clay, performance, installation,
drawing or language – the motifs always reflect formal implications on the level of content. In
Fingerprint (2009), in which Tandon addresses issues like human identity, the identity of the artist, the
work of art and “handicraft,” the analogy between the multitudinous fingerprints of the artist on the
ostensible back side and the reproduction of a digital motif on the ostensible front side of the picture
turns form into content and content into form.
Rainer Wölzl is among those artists who make a political claim in their art. Wölzl lays moral claims,
exercises social critique, and persistently exposes himself to the “aesthetics of resistance” (Peter Weiss).
“The impact of silence, the atrophy of those whose fate it was to be treaded into the earth […] still
continues to be felt,” says Wölzl quoting Weiss while at the same time continually attempting to lift this
silence in a double sense: on the one hand to prevail in the face of a shrill aesthetics in a garish consumer
world and on the other to lend those who have been silenced a kind of voice.
The colour black constantly dominates in his work […] The shadow with its many layers of meaning:
as projected image, as not directly lit area, as a side that remains unaffected by a specific influence, as
a constant companion and – in the context of memory – as something that is barely recognisable, an
overriding theme in his recent works.
Erwin Wurm’s work displays an uncanny perception of the world around us. His iconoclastic objects,
photographs, installations, videos are interpretations and depictions of everyday situations and actions
that at the same time also always challenge and redefine the concept of sculpture. His work encompasses
various areas of knowledge and life and yet at the same time takes an analytical distance to them, translating
accepted social norms and figures of speech quite literally into art and thereby destabilizing their
content.
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