Galerie Raum mit Licht

 
»DUCK and COVER« – PRESSETEXT

GABRIELE ROTHEMANN


»Der Text ist ein Gewebe von Zitaten aus unterschiedlichen Stätten der Kultur«, meinte Roland Barthes in seiner programmatischen Schrift zur Intertextualität.  Auf die Arbeiten von Gabriele Rothemann übertragen, sind ihrer Bilder das Ergebnis eines solchen »Bedeutungs-Spiels von Aneignung und Transformation« (S. Schütze). Sie sammelt seit 1984 Abbildungen aus Printmedien, um einerseits die Wirkung dieser Bilder zu verstehen, andererseits um sich konkrete Ereignisse und unbekannte Teile der Welt zu erschließen – ein bis heute andauerndes Interesse, das ein gut 1000teiliges Bildarchiv hervorgebracht hat.
 In ihrer Ausstellung im Raum mit Licht wird Gabriele Rothemann einerseits Einblicke in diesen Bilderspeicher gewähren. Andererseits zeigt sie ausgewählte Fotografien und Zeichnungen aus einem Zeitraum von 25 Jahren, die in dieses Referenzsystem eingebettet sind. Das »repräsentative« Bild steht dem »Studienmaterial« gegenüber, das kleine zarte Aquarell der überdimensionalen kontrastbetonten Tuschezeichnung, die Originalvorlagen dem Abbild. Die emotionalen und formalen Qualitäten der Bildquellen fließen dabei jeweils in konzentrierter Form in diese oft aufwändigen Arbeiten ein, die auch stets Unikate sind. »Die Bilder von Gabriele Rothemann widersetzen sich jeder klassifikatorischen Ordnung, […] sind Dokumentation und Stillleben, Andachtsbild und Allegorie zugleich.« (S. Schütze) Eine eigens für die Galerie entwickelte Intervention wird das Verhältnis von Original und Abbild nochmals auf besondere Weise zum Ausdruck bringen.

Text Ruth Horak

* Duck and Cover ist die englische Aufforderung, Schutz zu suchen, wie sie etwa in einem US-Amerikanischen Zivilverteidigungsfilm aus den 1950er Jahre verwendet wurde, um Schulkinder dazu anzuhalten, sich vor möglichen Atombombenexplosionen zu schützen, bzw. wie es Gabriele Rothemann auch während ihres Aufenthaltes am 17. Oktober 1989 in Los Angeles zu hören bekam, nachdem die Erde zu beben begonnen hatte.

GABRIELE ROTHEMANN (*1960 in Offenbach am Main, D), studierte Fotografie an der Kunsthochschule Kassel und setzte ihr Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Fritz Schwegler fort. 1987 erhielt sie den Meisterschüler-Titel.
Neben verschiedenen Preisen und Stipendien waren ein Studienjahr bei John Baldessari und Michael Asher am California Institute of the Arts, Los Angeles, (DAAD 1988/1989) und ein Jahr an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1996/1997) von großer Bedeutung. Ihre Fotografien und Zeichnungen assoziieren zum Teil ein Bildarchiv, das Gabriele Rothemann seit 1984 aus inhaltlich und formal prägnanten Presse- und Magazinbildern zusammenträgt, und sind jeweils verdichtete Versionen bzw. Transformationen dieser Bilder des kollektiven Gedächtnisses.
Nach der Lehre an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Bauhaus-Universität Weimar wurde sie 2001 an die Universität für angewandte Kunst Wien berufen und gründete die Klasse Fotografie im Bereich Bildende Kunst.

www.gabrielerothemann.com

www.dieangewandte.at
»The Broken Telephone« - PRESSETEXT

DIANA ARTUS & KARIN FISSLTHALER

Ausgangspunkt der Arbeiten von Diana Artus und Karin Fisslthaler ist eine Skepsis gegenüber dem „Wahrheitsgehalt“ von Bildern sowie die Suche nach multiplen, oftmals verborgenen Bedeutungen im scheinbar Eindeutigen. Diese Suche vollzieht sich in einem gemeinsamen medialen Interessenbereich: der Darstellung des menschlichen Körpers und seiner Körpersprache, seiner Handlungen, Haltungen und Gesten sowie der Wechselwirkung zwischen diesen Bildern und der Verfasstheit des zeitgenössischen Individuums. Beide Künstlerinnen richten ihren Blick auf Momente, in denen sich der Körper in seiner „Verkörperung“ zeigt oder in denen aus Abbildungen Imaginationen werden – also auf jene Ereignisse, die sich entlang von Grenzen zwischen Zeigen und Verbergen, in Erscheinung treten und Verschwinden bewegen. Das fotografische sowie das gefundene Bild, entnommen aus unterschiedlichen, oftmals popkulturellen Kontexten, sind die Ausgangsmaterialien beider Künstlerinnen, für deren Bearbeitung, Dekonstruktion und Umdeutung sie jedoch  unterschiedliche, dem jeweiligen Trägermaterial entsprechende, spezifische Verfahren entwickelt haben. 
Vor diesem Hintergrund widmet sich die gemeinsame Ausstellung dem Thema einer offenen Korrespondenz über kollektive Bildwelten und Vorstellungen von dem, was uns umgibt, was uns verbindet und was uns voneinander trennt. Der Ausstellungstitel referiert dabei auf das Kinderspiel „Stille Post“, bei dem die übermittelten Nachrichten durch kreatives Missverstehen bei der Weitergabe einer permanenten Bedeutungsverschiebung unterliegen.


DIANA ARTUS (*1974 in Bad Salzungen, D), studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Leipzig sowie Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie schloss ihr Kunststudium 2010 mit dem Meisterschüler-Titel ab, zurzeit lebt und arbeitet sie in Berlin. Im Fokus ihrer künstlerischen Arbeit stehen die Auseinandersetzung mit urbanen Bildwelten und Wahrnehmungsmodi, die Interferenzen zwischen inneren und äußeren Bildern sowie deren narrative Visualisierung. Darüber hinaus arbeitet sie auch mit in verschiedenen Städten gefundenem Bildmaterial – insbesondere mit alten Fotoromanheften –, das sie einer Aktualisierung und Neuinterpretation unterwirft.


KARIN FISSLTHALER (*1981 in Oberndorf bei Salzburg, AT) Sie absovierte das Studium der Experimentellen Gestaltung an der Kunstuniversität Linz, arbeitet in den Bereichen Experimentalfilm sowie Bildende Kunst und produziert seit 2003 elektronische Musik unter dem Namen Cherry Sunkist. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Fragen der medialen Repräsentation des menschlichen Körpers und seiner Körpersprachen und deren Rückwirkungen auf Identitätskonstruktionen. Found Footage als Material wird zum Gegenstand von Faszination, Kritik, mehrdeutiger Interpretationen und vielschichtiger Betrachtungsweisen. Lebt und arbeitet in Wien und Linz.
»In Relation to Places and Time« - PRESSETEXT

CLAUDIA LARCHER & HUBERT LOBNIG

In der Dialogausstellung „In Relation to Places and Time“ treffen mit Claudia Larcher und Hubert Lobnig zwei künstlerische Positionen aufeinander, die sich in ihrem Verständnis zur Veränderlichkeit von Architektur und räumlichen Körpern, und folglich auch in der Rezeption ebendieser ergänzen. Claudia Larchers menschenentleerte architektonische Motive erfüllen in ihrer künstlerischen Übersetzung nicht den Zweck des kulturhistorischen Zeugnisses, sondern entwickeln stärkere intrinsische Relationen, welche den konstruierenden Blick fordern. Hubert Lobnigs Fotoarbeiten entstanden hingegen während seines mehrmonatigen Aufenthalts in New York, bei dem der Künstler die Möglichkeit hatte solitäre Szenen und Interaktionen auf den Dächern der Stadt zu beobachten. Das Motiv des Treppenhauses als Ort des Übergangs liefert innerhalb der Ausstellung den gegenseitigen Dreh- und Angelpunkt für beide Künstler. Die Dekonstruktion von Architektur findet in Hubert Lobnigs Einzelbildern ebenso statt wie in seiner Videoinstallation, in welcher zeitliche Brüche akzentuiert werden, um die Körperhaftigkeit und Präsenz des Raumes und den Menschen, der diesen bewohnt, fassen zu können, während Claudia Larcher mit ihrem motivischen Gegenstück eine Metaebene des Bewegtbildes beschreibt, welches sich dem menschlichen Subjekt – ebenso wie in ihren Collagen – nur noch semiotisch annähert.
Text: Andreas Müller

CLAUDIA LARCHER (geboren 1979, lebt und arbeitet in Wien) ist bildende Künstlerin mit Schwerpunkten im Bereich Videoanimation, Collage, Fotografie und Installation. Studium an der Universität für angewandte Kunst im Bereich Plastik und Multimedia bei Prof. Erwin Wurm sowie Medienübergreifende Kunst bei Prof. Bernhard Leitner. 2014 Gastprofessorin am Institut für Architektur und Design an der TU Wien.
Claudia Larchers künstlerisches Interesse gilt Räumen, die mit Heimatgefühl, Vertrautheit und Erinnerung verbunden sind. Die Räume, mit denen sich die Künstlerin auseinandersetzt, sind einerseits topographische Gegebenheiten, andererseits Erinnerungs- und Vorstellungsräume. Dabei entstehen (ortsspezifische) Videoanimationen, Fotomontagen, Objekte und Collagen. Zudem experimentiert sie mit Live Visuals bei Performances und Konzerten.
Seit 2005 hat sie an diversen Gruppenausstellungen und Festivals im In- und Ausland teilgenommen und ihre Arbeit bei Einzelausstellungen präsentiert.  zB. steirischer Herbst Graz,Tokyo Wonder Site Japan, Slought Foundation Philadelphia, Centre Pompidou Paris, Calouste Gulbenkian Foundation Lissabon.

HUBERT LOBNIG, geboren 1962 in Völkermarkt, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Schwerpunkte der künstlerischen Arbeit sind  Malerei, Zeichnung, Video, Fotografie sowie kontext- und ortsbezogene Projekte und Installationen im  öffentlichen Raum (oft gemeinsam mit Iris Andraschek). 1997 Gründung von Tigerpark, einer künstlerisch – kuratorischen Plattform. Dozent an der Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung in Linz. Lebt und arbeitet in Wien und Mödring (NÖ). Hubert Lobnig ist Mitglied der NGBK in Berlin und der Wiener Secession.
»... like a phantom limb ...« - PRESSETEXT

BERNHARD HOSA

Die Galerie Raum mit Licht freut sich, auch dieses Jahr anlässlich des Monats der Fotografie eine Einzelposition zu präsentieren. Im Rahmen von Eyes On zeigt der österreichische Künstler Bernhard Hosa unter dem Ausstellungstitel ... like a phantom limb ... neue Arbeiten.

Hosas Fotocollagen, Objekte und Installationen sind reduziert und muten fast minimalistisch an, entstehen aber meist vor dem Hintergrund konkreter Themen. Sein Ausgangspunkt ist das Spannungsverhältnis zwischen dem Individuum und einer normativen Gesellschaft. Auf der Basis von Reflexionen zu einer biologistischen Sicht auf das Innere und Äußere, zum Mensch als Objekt der Wissenschaften und der Vermessung seines Körpers entwickelt er eine eigene Formensprache an der Schnittstelle von Konzeptkunst und einer ästhetischen Herangehensweise. Seine Überlegungen dekonstruiert Hosa in künstlerischen Strategien wie Vervielfältigung, Variation oder Reihung und Praktiken wie dem Sezieren und neu Komponieren. Dabei entstehen serielle Collagen oder Objekte und strenge Inszenierungen des Raumes, die den Charakter der recherchierten Inhalte annehmen.

Das zentrale Motiv, der menschliche Körper als Gegenstand eines empirisch-medizinischen Blicks und als in räumlich-architektonischen Strukturen eingeschriebener Leib ist manchmal nur latent vorhanden. Er ist nicht immer repräsentiert oder dargestellt, sondern wird als Negativform wie ein Phantomglied spürbar.

BERNHARD HOSA, 1979 in Amstetten geboren, studierte von 1999-2004 an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seine Arbeiten sind Collagen einfacher Formen, konstruktiver Elemente und alltäglicher Materialien und bewegen sich zwischen konzeptuellen und repräsentativen Strategien. Für seine Installationen und Objekte wurde er 2007 mit dem Anerkennungspreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich ausgezeichnet. Derzeit ist er Atelierstipendiat des Bundesministeriums für Unterricht Kunst und Kultur. Seine Arbeiten sind in privaten sowie öffentlichen Sammlungen vertreten und wurden sowohl national als auch international gezeigt: in Einzelausstellungen beispielsweise in der Neuen Galerie, Innsbruck (2014), der Galerie 5020, Salzburg (2013) sowie im Kunstraum NOE, Wien (2012) und in Gruppenausstellungen etwa in der CSULA Fine Arts Gallery, Los Angeles (2013), im Salzburger Kunstverein (2012), in der Gegenwartsgalerie des Brukenthal Museum, Sibiu (2007), im RCM Art Museum, Nanjing (2006) oder in der Sammlung Essl, Klosterneuburg (2005).
Frauenzimmer ZWEI - PRESSETEXT
curated by Moritz Küng im Rahmen von curated by_vienna

AGLAIA KONRAD

Die Galerie Raum mit Licht freut sich bereits zum dritten Mal im Rahmen von curated by vienna eine Ausstellung zu eröffnen.
Zum diesjährigen Leitmotiv The Century of the Bed, das von der spanischen, in Princeton dozierenden Architekturtheoretikerin Beatriz Colomina vorgeschlagen wurde, hat die Galerie den Schweizer Kurator Moritz Küng (*1961 in Luzern, wohnt in Barcelona) eingeladen, der seinerseits eine neue Rauminstallation der österreichischen Künstlerin Aglaia Konrad (*1960 in Salzburg, wohnt in Brüssel) präsentieren wird.
Als Kurator arbeitet Moritz Küng vor allem an der Schnittstelle von Kunst und Architektur. Er realisiert u.a. Einzelausstellungen mit Künstlern wie Dominique Gonzalez-Foerster, Allen Ruppersberg, Joëlle Tuerlinckx, Cerith Wyn Evans oder Heimo Zobernig und Architekten wie Lacaton & Vassal, PauHof, SANAA und Eduardo Souto de Moura, sowie noch kürzlich die Gruppenausstellung „Die fünfte Säule“ in der Wiener Secession. Die Arbeiten von Aglaia Konrad präsentierte er seit 1996 in zwei Einzelausstellungen und fünf Gruppenausstellungen.
Aglaia Konrad ihrerseits hat seit den 1990er Jahren eine eigenständige Form der Fotografie entwickelt, die den rasant fortschreitenden Prozess der weltweiten Urbanisierung dokumentiert. Mit ihren teils monumentalen Installationen nimmt sie innerhalb der aktuellen Fotografie einen besonderen Platz ein. Nicht nur, dass sie im Laufe der Jahrzehnte ein einzigartiges Archiv über die sich rapide verändernden Stadtlandschaften in amerikanischen, asiatischen und europäischen Metropolen zusammengetragen hat, sie präsentiert ihre Bilder mit einer ebenso expandierenden Wucht, wie es Großstädten eigen ist. Die über Wände und Decken gefalteten, auf Glasfassaden aufgezogenen, auf Platten geschichteten oder als Filme projektierten Bilder sprengen nicht nur den Rahmen der traditionellen Fotografie, sondern lassen den Betrachter oft selbst zum Protagonisten innerhalb Konrads Bildszenarien werden.
Mit jeder Ausstellung entsteht auch eine neue Konfiguration ihrer urbanen Motive – Autobahnen, Baustellen, Flughäfen, periphere Landschaften, Monumente, Ruinen, Satellit-Städte, Wohnsiedlungen oder Bauten der neueren Architekturgeschichte – welche nicht nur die Umwelt selbst sondern auch die Condition Humaine erneut und zwingend ins Bewusstsein rufen.
In ihrer durchaus ironisch betitelten Ausstellung Frauenzimmer ZWEI zeigt Aglaia Konrad eine eigens gebaute Rauminstallation, welche das Innere und Äußere der Galerie neu akzentuiert, eine Bildauswahl der Serien „Shaping Stones“ und „Undecided Frames“ sowie einen aktuellen Film. Zudem hat die Künstlerin im curated by_vienna Katalog einen Textbeitrag mit 675 City-Begriffen publiziert – die Transkription eines ihrer Künstlerbücher aus dem Jahre 2005 – welche dem auferlegten Thema von Beatriz Colomina, The Century of the Bed, Rechnung trägt.

Die Arbeiten von Aglaia Konrad wurden international gezeigt: in Einzel-ausstellungen am Stedelijk Museum Amsterdam (1995), deSingel Antwerpen (2005), Museum für Gegenwartskunst Siegen (2009), Villa Romana Florenz (2011, mit Willem Oorebeek), Sainsbury, Centre for Visual Arts Norwich (2012), Stuk Leuven (2014), Netwerk Aalst (2014) und Gruppenausstellungen wie dokumenta X in Kassel (1997), Shanghai Biennale (2000), Architektur Biennale Venedig (2004), Shenzhen Biennale (2005), Ludwigforum Aachen (2012), Manifesta 9 Genk (2012) oder Mu-zee, Ostende, (2013).
In Österreich waren Einzelausstellungen der Künstlerin im Salzburger Kunstverein (1993), im Architektur Zentrum Wien (2001), bei Camera Austria in Graz (2004) und aktuell im Fotohof Salzburg (2014) zu sehen.
Aglaia Konrad gewann mehrere Preise: Otto Mauer Preis, Wien (1997), Camera Austria Preis der Stadt Graz (2003), Grand Prix de la Photography, Vevey (2004), Würdigungspreis für Fotografie BMK, Wien (2006) und Albert Renger-Patzsch Preis, Folkwang Museum, Essen (2006).
 Ergänzend zu ihrer Arbeit publiziert Aglaia Konrad regelmäßig Künstlerbücher: Rio de Janeiro (1996, Galerie Museum, Bolzano), Elasticity (2003, NAi Publishers, Rotterdam), Iconocity (2005, Walther König, Köln), Desert Cities (2008, Roma Publications, Amsterdam), Carrara (2011, Roma Publications, Amsterdam), Zweimal Belichtet (2014, Eigenverlag).

»Reversals of Lighting, Proportion and Position« - PRESSETEXT

JOHN HILLIARD

 
Die dritte Einzelausstellung von John Hilliard in der Galerie Raum mit Licht, thematisiert ein wiederkehrendes Moment im Werk des britischen Künstlers: duale Gegensätze.
Als so genannte "Doubles" konzipiert, leiten sich die gezeigten Arbeiten aus Umkehrungen von Belichtung, Proportion und Position ab und bestehen per Definition aus zwei gleichsam ähnlichen und unterschiedlichen Bildern.
 
Diese Reduktion auf Zwei, sowie die Ausarbeitung ihrer Gegensätzlichkeit, verleitet zunächst dazu einfache Kategorien wie er/sie, Tag/Nacht, Schwarz/Weiß etc. zu verwenden. Diese offensichtliche Reduktion auf Klischees muss jedoch nicht zwingend den Blick auf das Ergebnis einschränken: Idealerweise sind sie Ausgangspunkt- sowohl konzeptionell als auch hinsichtlich der Umsetzung- und führen konsequent zu jenem Punkt, an welchem nicht das Aufeinandertreffen von Gegensätzen, sondern das Ergebnis daraus als Synthese eines dritten Bildes sichtbar wird.

Aktuell überträgt John Hilliard diese dualen Gegensätze auch auf das Wechselspiel zwischen Zeichnung und Fotografie. Durch die repetitive Übertragung von Zeichnung zu Fotografie zu Zeichnung zu Fotografie wird dieses dabei als generative Eigenschaft betont.
Einerseits wird hier die Aufmerksamkeit auf die Zeichnung als Kernkomponente von Konzeption und Ausführung dieser Arbeiten gelenkt. Anderseits wird eine abgrenzende Kontur, ein Element der figurativen Zeichnung und der Malerei, in die Fotografie überführt, welche durch ihr dunkles Einschreiben in die Oberfläche zum Pendant der normativen räumlichen Modellierung sanfter Übergänge von Licht und Schatten in der Fotografie wird.

JOHN HILLIARD, 1945 in Lancaster (UK) geboren, studierte von 1964-1967 am Institut für Bildhauerei an der St.Martins School of Art in London. Seit den späten 1960ern thematisiert er Aspekte der Sprache und der Repräsentation durch eine systematische Untersuchung des Mediums Fotografie. Dabei treffen Fragen nach der Natur der Fotografie als Repräsentationsmedium auf ein Zelebrieren der Materialität selbst.
John Hilliard wurde als Northern Arts Fellow In Visual Art (1976-1978) nominiert und erhielt 1986 die David-Octavius-Hill-Medaille von der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner.
Die aktive Teilnahme des Künstlers an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Europa, USA, Kanada und Japan, wird durch seine Tätigkeit als Autor von zahlreichen Artikeln über Kunst und Fotografie vervollständigt.
Neben seiner künstlerischen Arbeit, lehrte Hilliard seit 1968 an verschiedenen Institutionen, wie etwa der Rijksakademie in Amsterdam oder der Slade School of Fine Arts in  London, wo er seit 2010 als Professor Emeritus ist.
»All these signs...overwriting the subject« – PRESSETEXT

IRIS ANDRASCHEK & GEORGIA CREIMER

Während der doppelt formulierte Titel der Dialogausstellung zwischen Georgia Creimer und Iris Andraschek noch auf ein Zusammentreffen zweier als konträr zu bezeichnender Positionen schließen lässt, ist es vor allem die gemeinsame Affinität zum öffentlichen Raum, welche die Arbeiten der Künstlerinnen miteinander verbindet.
Die Handschrift von Georgia Creimer etwa verleiht der Fotografie als Medium nicht nur einen eindeutig subversiven Charakter, sondern lotet deren intermediale konzeptionelle Möglichkeiten aus. Während die Künstlerin das Chaos innerhalb des uns schon gewohnt erscheinenden Banalen zu ordnen trachtet, wandelt sie in der Fotografie festgehaltene Pissflecken als äußere Signifikanten ebendessen um, und überführt diese hin zu einer Existenz als Signifikat.
Die Methodik in Iris Andrascheks Arbeiten hingegen ist wesentlich vom fotografischen Festhalten ritualisierter Handlungen des Menschen im öffentlichen Raum, sowie durch installative Eingriffe in ebendiesem geprägt. Dem Ritus in seiner wiederholenden Bestimmung eines vergangenen Ideals schreibt sich bei ihr – im Deleuze'schen Sinn – gleichzeitig die Differenz mit ein, der wir als Subjekte unterworfen sind.
Beide Positionen gründen in ihrer Arbeit auf transformierenden bzw. transitiven Prozessen, wobei diese Übergangszustände nicht nur reflektiert, sondern selbst zum Thema der jeweiligen Arbeit gemacht werden. Das Aufeinandertreffen der Künstlerinnen kann parallel zu einer Begegnung im öffentlichen Raum verstanden werden, basierend auf Bewegungsfreiheit beim Lesen der individuellen Zeichen, bei einem gleichzeitigen objektiven Wissen um das wechselseitige Wandlungspotential.

Text Andreas Müller


IRIS ANDRASCHEK, geboren 1963 in Horn (NÖ), absolvierte ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien, mit ergänzenden Studien für Freskomalerei an der scuola degli arti ornamentali in Rom und Bozen. Arbeitsaufenthalte in Durham, Ontario (2002), New York (2010), Woodside, CA im Djerassi  Resident Artists Program (2012) und bevorstehend in Istanbul (2015). Sie lebt und arbeitet in Wien und Mödring (NÖ).

Rituale unterschiedlicher Communities, alternative Lebensentwürfe, Natur, der ländliche Raum und seine Gesellschaft und Ordnungssysteme sind wiederkehrende Themen in den künstlerischen Arbeiten Iris Andrascheks. Die Übergänge von Privatheit und Öffentlichkeit, Alltag und Inszenierung verhandelt sie ebenso wie die Grenzen zwischen Realität und Fiktion in medial konstruierten Bildern. Für die Präsentation ihrer Fotografien und Zeichnungen in kontext- und ortsspezifischen Installationen, Ausstellungen oder im öffentlichen Raum entwickelt Iris Andraschek spezielle Displays und Möbel, beispielsweise Foto-Text-Bücher oder sogenannte Fotohäuser.

Ihre fotografischen Porträts sind oft von außergewöhnlicher Intensität. Dies ist nicht zuletzt das Resultat der, man möchte fast sagen “komplizenhaften” Zusammenarbeit der Künstlerin mit den ProtagonistInnen ihrer Bilder. Vielfach leben diese an den Rändern, geografisch und gesellschaftlich. In ihrer vertrauten Umgebung abgelichtet, strahlen die Porträtierten Natürlichkeit und Gelassenheit aus. Zugleich verströmen die Fotografien eine Fragilität, die die Intimität der Situation unterstreicht und manchmal surreal transformiert.
Bei jüngeren Projekten für den öffentlichen Raum – als Mosaiken und Bodenintarsien ausgeführt – hat Andraschek einen Fokus auf Erinnerungsgeschichte und weibliche Repräsentation gelegt, so z.B. bei Der Muse reichts! im Arkadenhof der Uni Wien (2009/10), Tell these people who I am, Wien Neubau (2011) oder Turnertempel – Erinnerungsort, Wien Fünfhaus (2011, mit Hubert Lobnig).


GEORGIA CREIMER, geboren 1964 in São Paulo, Brasilien, studierte von 1982 bis 1985 Kunst an der Fundação Armando Alvares Penteado' in São Paulo. Kurz nach ihrer ersten Einzelausstellung (1985, Galeria Monica Filgueiras) ging sie nach Wien, wo sie seitdem lebt und arbeitet.

In ihren Arbeiten, die in unterschiedlichen Medien zum Ausdruck kommen (Malerei, Fotografie, Objekt, Installation) setzt sich Georgia Creimer mit den Grundsätzen menschlichen wie natürlichen Existierens auseinander. Dabei versteht sie ihr Schaffen nicht als einem speziellen Thema unterstellt, sondern viel eher als eine Auseinandersetzung mit menschlichem 'Naturempfinden' per se. Daher ist alles was sie produziert, als Bearbeitung körperlicher Denk- und Gefühlszustände zu begreifen. Ihre Installationen können als Metapher gelesen werden, welche sich in Raum verstreut, in der Totalität der Installation wieder potenziell zur Ganzheit eines Organismus zusammenschließt.

Georgia Creimers Arbeiten sind sowohl in staatlichen und privaten Sammlungen in Europa und in Brasilien vertreten. Ihr künstlerisches Schaffen ist durch eine rege Ausstellungstätigkeit und  verschiedene realisierte Kunstprojekte im öffentlichen Raum gekennzeichnet.

Ausstellungsdauer: 3. April - 18. Mai 2014