Galerie Raum mit Licht

 

rini tandon

»FACING THE TANGIBLE«

Vernissage: Mittwoch, 05. April 2017, 19–21 Uhr
Ausstellungsdauer: 06. April - 12. Mai 2017

Image © Rini Tandon »Facing the Tangible« (2007), video still
Rini Tandons künstlerisches Oeuvre umfasst eine beeindruckende Vielfalt an Medien, in denen sie ihre ästhetischen und philosophischen Fragestellungen realisiert: Objekte, Skulpturen, dreidimensionale Bilder, Fotografien und Videos, in-situ-Installationen und in den Galerieraum eingreifende Interventionen. Die formal und materiell so unterschiedlichen Arbeiten vereint jedoch eine ganz klare Absicht: Sie erforschen als Kunstwerke die Spannungsfelder zwischen Wahrnehmung und Kognition, zwischen An- und Abwesenheit, zwischen Negation und Addition, zwischen Illusion und Realität, zwischen Material und Medium, und zwischen Erzählung und Form.

Tandons genuin künstlerisch-forschendes Werk befasst sich mit dem auf den ersten Blick schwierigen Unterfangen, abstrakte Denkmodelle in direkte, körperliche Erfahrung umzuwandeln. Ihre Arbeiten bringen das kognitive Moment von „Wissen“ in eine komplexe sinnliche Form, machen es somit begreifbar und wahrnehmbar, ohne es jedoch zu illustrieren oder zu beschreiben.

Die Objekte, Bilder, Videos und Installationen in der Ausstellung mit dem programmatischen Titel „Facing the Tangible“ geben Auskunft über die akribischen ästhetischen Forschungsprozesse, mit denen die Künstlerin die sinnliche Wahrnehmung (z.B. Same Time Triple, 2003-2014) und das Nachdenken (z.B. Reflection Board, 2013) untersucht. Da werden naturwissenschaftliche Themen aus der Physik wie raum-zeitliche Dimensionen (z.B. Imperceptible States, 2008) oder stoffliche Aggregatzustände (z.B. Fluid Attributes, 1999) verhandelt, da wird der zentralperspektivische Beobachterstandpunkt der Betrachter_in ständig in Frage gestellt, da werden Gedankenmodelle in zwei-, drei- oder vierdimensionale Objekte und Tablets (z.B. Reflection Board, 2013) verwandelt.

Den Menschen, seine Vorstellungen, seine Körperlichkeit, sein Wahrnehmen inszeniert Rini Tandon in ihren Werken als das große Abwesende (z.B. In my absence they entered my home, 2012-2015) und integriert ihn als den blinden Fleck der Wahrnehmung, ohne den aber das Vorhandene nicht „verstanden“ werden kann. Die Füße (Anthology of a Walk, 2012-2016) und Hände (Catching the Sun, 2012-2016) der Künstlerin selbst erscheinen daher auch immer wieder fast geisterhaft in Röntgenaufnahmen, Farbnegativen (Home Laboratory, 2000) und als Projektionen auf Kulissen (Rendering, 2012-2016). Oder die Künstlerin fotografiert die Hände eines Kindes als die gestaltenden Elemente, die in der Zukunft ihre Abdrücke in Materialien und Medien hinterlassen werden (z.B. In the Nature of Things, 2012-2015).

So sind die Spuren, die — menschliche und nicht-menschliche — Körper in der Welt hinterlassen, ein ganz wesentlicher Bestandteil in Tandons Arbeiten. Diese Spuren — die auf Vergangenes, Nicht-Vorhandenes verweisen — friert sie als fragile Objekte (Processing the Line, 2009) oder Bilder (Transformers/Transducers, 2007-2010) für Betrachter_innen in einer imaginären Zukunft ein.

(Katharina Gsöllpointner, Jänner 2017)