Galerie Raum mit Licht

 

SILENT MATTERS

Asger Dybvad Larsen, Jonas Feferle, Anneliese Schrenk
with the screening of »IL CRETTO« by Aglaia Konrad

Vernissage: 21.05.2019, 19-21 Uhr
Ausstellungsdauer: 22.05. – 29.06.2019

Image © untitled, detail from Jonas Feferle, 2019
                                                                                                           
                                                                                                            Irgendwann hört die Sprache auf.
                                                                                                                                        (Jonas Feferle)


ASGER DYBVAD LARSEN, JONAS FEFERLE, AGLAIA KONRAD, ANNELIESE SCHRENK
                                                                                                          
Alberto Burri (1915–1995) gilt als Schöpfer des Materialbildes. Fassungslos verarbeitete er Traumen des Krieges, in dem er verschiedene Materialien (re)-agieren ließ. Heute führt die wachsende Digitalisierung des Alltags weitgehend zur Ausblendung des Physischen in seiner elementaren Eigenmacht. Das Verlangen nach handhabbarer Wirklichkeit läuft ins Leere. Diese Entwicklungen beantwortet die Gegenwartskunst mit einer zunehmenden Sensibilisierung für materialästethische Qualitäten. Kehrt sie unter anderen Vorzeichen zu Alberto Burri zurück?

In Silent Matters zeigt die Galerie Raum mit Licht vier künstlerische Positionen, die das stille Geschehen der stofflichen Welt zur Schau stellen.

Zu sehen sind Werke aus Leinwand, Leder und Metall. Dem ersten Blick verweigern sie eine genaue Bestimmung. So oszillieren sie zwischen Bild und Rauminstallation oder aber verströmen die Anmutung eines fremden Körpers. Das Leben, das sich an ihren Oberflächen offenbart, ist als Geschichte noch nicht erzählt. Konkrete Bezüge bleiben offen, Fragen werden aufgeworfen: Was behauptet sich als massives Außenprofil, was zeigt sich als Innen- oder Rückseite, was öffnet sich als dialogfähige Gesichtsseite, als ephemer bespielbare Projektionsfläche, was bewährt sich als Speicher von Lichterscheinungen oder löst sich gar in einer hermetischen Spiegelung auf? Inwieweit grenzen diese Flächen ab, schließen aus, decken zu, versiegeln oder aber waren einmal - als das sensibelste aller Wahrnehmungsorgane - mit einem lebenden Körper verwachsen? Sind diese Materialflächen also organisch entstanden? Sind sie ausgeschnitten, zusammengestückt, abgelöst oder aber in einem Prozess der Aushärtung spröde geworden?  Und weiter noch, wie legt sich Zeit in ihnen ab? Als Spur einer Berührung, als Narbe, als Patina oder als Verfall?

Unter der Dikatur der scheinbar alterslosen und gleichförmigen Bildschirme, mag in Vergessenheit geraten sein, welche poetischen Räume sich in der Begegnung mit den konkreten Welten des Materiellen eröffnen können. Den Schlusspunkt der Schau stellt der Film „Il Cretto“ von Aglaia Konrad (2018) dar. Langsam und ohne Ton nähert sich das Kamera – Auge der weissen Betondecke, mit der Alberto Burri 1984 – 1989 die Erdbeben – Ruinen von Gibellina zugedeckt hat. Erst 2015 wurde sein Werk posthum vollendet. Heute zeigen sich erste Risse und die Natur behauptet sich gegenüber dem Zement. Aglaia Konrad macht über den Bildschirm sichtbar, was Alberto Burri zeigen wollte. Die Geschichte, von der die Materie zeugt, hat ihre eigene Zeitlichkeit. Sie ist niemals abgeschlossen. Die Sprache jedoch hört irgendwann auf.


ASGER DYBVAD LARSEN, geboren 1990, lebt und arbeitet in Aarhus. Studium an der Jutland Art  Academy, Aarhus und der Malmö Art Academy, Lund.
JONAS FEFERLE
, geboren 1983, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Philosophie an der Universität Wien und Fotografie am Institut für Bildende und Mediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.
ANNELIESE SCHRENK, geb. 1974, lebt und arbeitet in Wien. Studium der bildenden Kunst und der Kunst und Kommunikation/Moden und Styles an der Akademie der bildenden Künste Wien.
AGLAIA KONRAD,  geb. 1960, lebt und arbeitet in Brüssel. Studium an der Jan van Eyck Akademie, Maastricht.
                                                                                                                         Heidrun Rosenberg 2019